Stimmen der OB- Kandidaten

Die ersten Ideencamps in der Lüneburger Fußängerzone haben bereits stattgefunden und neben jeder Menge Ideen und Wünsche, die Lünerburger Kinder und Jugendliche an uns heran getragen haben, haben sich auch die ersten Kandidat_innen für die Oberbürgermeisterwahl zum Thema Jugendbeteiligung zu Wort gemeldet…

Samstag, 10.Mai 2014: Die Schüler Jannik Suelmann und Zoë Runge im Interview mit der OB-Kandidatin Claudia Schmidt über Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen.

Jannik und Zoe im Gespräch mit Claudia Schmidt

Jannik und Zoe im Gespräch mit Claudia Schmidt

JANNIK: Welche Möglichkeiten der Mitbestimmung gab es in Ihrer Jugend?

CLAUDIA SCHMIDT: In meiner Jugend, muss ich ehrlich sagen, war ich ziemlich unpolitisch. Wir hatten jetzt gerade 25jähriges Jubiläum vom Abitur und meine ehemaligen Mitschüler  haben gesagt „Du hast in der ganzen Schulzeit nichts gesagt und jetzt machst Du Politik!“ – Da sind sie total erstaunt. Äußerlich habe ich mich glaube ich nicht so verändert. Aber ich habe seit der Schulzeit eine erhebliche Entwicklung gemacht. Das kann auch eine Botschaft sein, man hat immer die Chance zur Entwicklung. Also dass, was in der Schule gelaufen ist, dass muss nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Auch an die, die ihr vielleicht nicht so gute Noten hat – man kommt trotzdem gut durch’s Leben.

ZOË: Was sagen Sie über die Mitbestimmungsmöglichkeiten jetzt, heutzutage? Wie würden Sie die bewerten?

Ich denke an die Jugendlichen, die bereits aktiv sind, z.B. beim Stadtjugendring.

Andererseits würde ich euch auch eher noch fragen. Was würdet ihr haben wollen? Ich sehe das bei unserer Jugendorganisation, der grünen Jugend, die es wieder gibt. Die war eingeschlafen, jetzt gibt es sie wieder und ich habe alles dafür getan dass die auch dabei sind. Mir war es wichtig, dass sie im Stadtrat, bzw. im Kreistag (wir machen ja jetzt beides) aktiv sind.

Z: Sehen Sie Verbesserungspotenzial bei der Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen?

Ich möchte euch als Erwachsene ja nicht sagen „dies wäre eine Lösung, das wäre eine Lösung“. Ich denke man muss zuhören – wo ist denn euer Bedarf? Was wollt ihr denn? Und dann gucken, was möglich ist. Man kann als Erwachsener natürlich sagen, „das sind meine Erfahrungen, das gebe ich jetzt vor und biete etwas an“. Und ich denke, wenn wir da einen Dialog hinbekommen, kommen wir auch weiter. Es wird sicherlich Momente geben, wo man sagt, überlegt noch mal. Aber im Prinzip bin ich da völlig offen. Die Ideen sollten von den Jugendlichen kommen, ich unterstütze sie dann.

J: Wir haben am 12. Juni jetzt die erste Jugendversammlung im Rathaus. Was halten Sie davon?

Finde ich gut! Wir werden mal sehen wie da die Beteiligung ist. Man muss ja auch das Forum schaffen. Dann kann man das weiterentwickeln. Das Gespräch halte ich für ganz wichtig, den Austausch.

Z: Vielen Dank für das Gespräch!

Samstag, 26. April 2014: Der Schüler Schüler Jannik Suelmann (15) und Anna Baumann vom Stadtjugendring im Gespräch mit Oberbürgermeister Ulrich Mädge über Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen.

Jannik und Anna im Gespräch mit Oberbürgermeister Ulrich Mädge

Jannik und Anna im Gespräch mit Oberbürgermeister Ulrich Mädge

JANNIK: Mich würde interessieren, ob es früher in Ihrer Jugend Mitbestimmung so wie heute gab?

ULRICH MÄDGE: Ich bin durch die katholische Jugendarbeit groß geworden. Das war für uns der einzige Weg irgendwohin zu kommen. Wir haben Diskos organisiert, Jugendtreffs organisiert. Also ich bin durch die Jugendarbeit und Sportvereinsarbeit groß geworden.

 ANNA: Welche Möglichkeiten der Mitbestimmung gab es für Sie?

Wir mussten uns Mitbestimmung erarbeiten. Da war ja noch eine andere Struktur zwischen Stadtverwaltung, Elternhaus und Jugendlichen. Wir mussten genau so wie ihr auch versuchen, uns durchzusetzen.

 A: Wie haben Sie das gemacht?

Wir haben uns dann auch durchgesetzt, indem wir versucht haben, wie Sie auch, mit Argumenten zu überzeugen. Wir sind hingegangen zum Bürgermeister und zum Pfarrer und haben gesagt, wir wollen im katholischen Gemeindehaus eine Disco machen. … Nach einem halben Jahr haben wir dann Erfolg gehabt und haben das selbst organisiert.

 A: Wie sehen Sie die Möglichkeiten sich heute einzubringen?

Heute sind die Mitbestimmungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche besser. Wenn man mal in den Schulen anfängt, Schülerräte oder so etwas kannte ich damals gar nicht. … Heute hat man die Schülermitbestimmung, sie sitzen in den Schulvorständen drin, sie sind in Medien unterwegs, wir haben den Stadtjugendring, den wir damals auch nicht hatten. Es hat sich vieles verändert.

Aber ich glaube, man muss auch heute nach wie vor für seine Idee kämpfen, sich einsetzen, versuchen sich durchzusetzen. Heute gibt es andere Methoden, aber die Idee muss da sein, es müssen engagierte Jugendliche da sein.

 J: Sehen Sie denn da Verbesserungspotenzial?

Man kann alles besser machen. Wir sind ja jetzt dabei für den Stadtjugendring ein neues Büro einzurichten – zentral in der Waagestraße [weil der Stadtjugendring das Büro im Haus der Jugend räumen muss]. Wir sind in der Stadtteilarbeit dabei. Wir merken, wie schwer es ist, Beteiligungsprojekte zu organisieren, wenn wir Ganztagsschule haben, wenn die Hälfte der Schülerinnen und Schüler aus dem Landkreis kommt und wieder weggeht zum Studium außerhalb.

Das ist mein Ansatz, dass wir sagen, in den Stadtteilen organisieren wir Mitbestimmung. Es gibt den Stadtjugendring, aber in den Stadtteilen weiß man am besten wie es funktioniert. … Wir müssen sehen, dass wir alle erwischen, quer über alle Bevölkerungsgruppen, quer über die Ethnien und Schulsysteme.

 A: Wo stehen wir da in Lüneburg? Wir würden Sie die Möglichkeiten zur Mitbestimmung einschätzen?

Ich würde sagen, wir stehen so bei drei. Bei befriedigend zwischen zwei und drei auf einer Sechserskala. Weil eben dieser Wechsel immer da ist. Und da bedarf es eben junger Leute, die sich einsetzen und nicht locker lassen. Wohl wissend, dass nach ihnen andere Jugendliche andere Ideen haben. Das merken wir als Politik natürlich auch. Wir tauschen heute Ideen und in drei Jahren stehe ich mit anderen Jugendlichen hier und dann reden wir über andere Ideen. Und das ist die Schwierigkeit.

Darum haben wir den Stadtjugendpfleger (Jugendmanager) hauptamtlich, der sich darum kümmert. Die Schüler im Schulausschuss, im Jugendhilfeausschuss sitzen der Jugendpfleger und der Stadtjugendring mit drin. Das sind ja alles Verbesserungen.

Auch aus meiner Erfahrung, dass man gleich in den Ausschüssen mit drin sitzt und nicht über Dritte, Vierte kommuniziert.

A: Sie haben gerade gesagt, Sie sehen die Mitbestimmungsmöglichkeiten für Jugendlichen zwischen zwei und drei. Was bräuchten wir denn, um zur eins zu kommen?

Wir bräuchten etwas Kontinuität. Wir bräuchten unabhängig von meiner Partei auch mehr Engagement in den Parteien, von Jugendlichen. Obwohl das ein schwieriger Weg ist. … Denn Demokratie wird in den Räten, im Parlament gestaltet. Man muss in den Fraktionssitzungen und in den Ausschusssitzungen dabei sitzen und nicht immer nur als Gast und dazu geladen, oder von außen, mit den Medien einsteigen.

Das ist eben dieser lange Weg. Man darf sich nicht abschrecken lassen von den Regularien, da muss mehr Engagement sein.

A: Stellen Sie sich also mehr Sitze für Jugendlich in den Gremien vor?

Der Stadtjugendring sitzt ja im Jugendhilfeausschuss. Wer vertritt denn die Interessen? Da ist eben die Frage, ob man Vertreter einer Basisdemokratie ist, dann müsste man  alle einladen in eine große Turnhalle und alle stimmen ab, wer in die Gremien geht. Oder dass Sie als Stadtjugendring dadrin sitzen als Interessenvertretung. Ihre Aufgabe muss es sein die ganzen Jugendorganisationen zusammen zu sammeln, auch die studentischen Bewegungen mitzunehmen.

J: Am 12. Juni ist ja die erste Jugendversammlung in Lüneburg, was halten Sie davon?

Ich find das gut! So bin ich aufgewachsen, selbst organisieren, selbst einbringen. Und dann muss man sehen, welche Wege man geht. Und bei uns im Hause, bei meiner Verwaltung, bei mir, laufen Sie offene Türen ein. Wir sagen natürlich auch was sofort geht, was später geht und was nicht geht, das gehört auch dazu. Ich pflege da das offene Wort.

J: Können Sie sich auch in der Hinsicht eine kontinuierliche Beteiligung vorstellen?

Der Stadtjugendring sitzt ja im Jugendhilfeausschuss. In jedem Stadtteil werden Stadtteilrunden organisiert, da müssten wir vielleicht einen Austausch der Termine und der Themen erreichen.

J: Davon kriegt man wenig mit.

Im letzten Jahr habe ich schon angeordnet, dass in diesem Jahr in jedem Stadtteil in jedem Quartal eine Runde statt findet. Am Kreideberg, Am Bebelsberg und in Kaltenmoor ist das gut umgesetzt. Aber es muss mehr kommuniziert werden.

J: Der Open Space bei uns in Kaltenmoor. Ich habe nur gehört, dass das nicht so gut besucht wurde.

Das ist ja unser Problem. Gerade bei mir im Stadtteil mit dem hohen Migrationsanteil. Dass wir es nicht schaffen an die Migrationsfamilien richtig heranzukommen. Wenn wir dann zu solchen Veranstaltungen einladen kommen eben nur 10% oder so.

A: Als Stadtjugendring haben wir auch die Aufgabe, die Interessen und Probleme der Jugendverbände aufzunehmen und wir hören immer wieder, dass Finanzen ein Problem sind. Zur Sprache kommen immer wieder Gelder für Fahrten, Investitionen und laufende Mittel. Welche Fördertöpfe gibt es denn in der Stadt?

Ich kann das nicht bestätigen, in den Töpfen sind immer wieder Gelder über. Nicht in riesen Mengen, aber doch über.

A: Da habe ich auch Infos dazu. Z.B. bei den Fahrten werden pro Kind und Tag je zwei Euro gefördert und weil es aufwändig ist, die Förderung zu bekommen, wird das nicht in Anspruch genommen.

Wenn es da Probleme gibt, müssen wir uns zusammensetzen. Dafür habe ich eben den Stadtjugendring gerne, der sagt, komm mal her. Den Stadtjugendpfleger dazu. Ich bin immer für Bürokratieabbau, gerade in diesen Bereichen. Da kann ich nur empfehlen, dass wir uns zusammensetzen und analysieren, gibt es einen Bedarf? Und wenn es einen Bedarf gibt, müssen wir versuchen, wie wir das verbessern, das haben wir bisher immer geschafft. Es gibt Stiftungen, gerade für Fahrten und Lager.

A: Aber von der Stadt können Sie sich das auch vorstellen?

Also ich bin ein Mensch der sagt, wir haben ein Ziel, wir brauchen die und die Mittel und die müssen wir zusammen bekommen. Es wird nicht einfach sein, dass ich sage, Scheckbuch raus ich unterschreibe. Aber wir werden uns auch als Stadt mit einbringen.

A: Wir haben schon mit den Verbänden gesprochen und werden demnächst auch einen Antrag dazu stellen.

Laden Sie mich ein, ich bringe meine Fachleute mit und dann analysieren wir und sagen Ihnen was geht.

A,J: Vielen Dank für das Gespräch.

 

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