Projektziele

BMFSFJ_DL_Logo_lang_unzerzeile_RZ_RGB

Demokratie, Partizipation und kulturelle Vielfalt. Für diese Leitmaximen tritt der Stadtjugendring Lüneburg ein. Die Hansestadt Lüneburg hat sich auf das fünf Jahre laufende Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ beworben – mit Erfolg! Seit März 2015 setzt die Stadt das Förderprogramm in Kooperation mit dem Stadtjugendring Lüneburg um. Darüber freuen wir uns sehr!
Durch das vom Bundesfamilienministerium initiierte Förderprogramm werden in ganz Deutschland kommunale Gebietskörperschaften (Städte, Landkreise und kommunale Zusammenschlüsse) unterstützt, „Partnerschaften für Demokratie“ als strukturell angelegte lokale bzw. regionale Bündnisse aufzubauen.

Ausgangssituation in Lüneburg:
Auf folgende Handlungsbedarfe möchten die Hansestadt und der Stadtjugendring Lüneburg mit dem Förderprogramm „Demokratie leben!“ gemeinsam reagieren:

  • 17% der in Lüneburg lebenden Menschen besitzen einen Migrationshintergrund. Aufgrund der zunehmenden Flüchtlingsströme wird dieser Anteil weiter steigen. Aktuell laufen in der Hansestadt Lüneburg rund 600 Asylverfahren. Die Asylbewerber wurden auf verschiedene Stadtteile verteilt, darunter eine Vielzahl von unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlingen. Es wurden 7 neue Flüchtlingsunterkünfte eingerichtet. Das Engagement, das Stadt und Bevölkerung den Flüchtlingen entgegenbringen, birgt gleichzeitig die Herausforderung, anderen Bevölkerungsgruppen aus sozial benachteiligten Verhältnissen weiterhin im gleichen Umfang mit Unterstützungs- und Förderangeboten zur Seite zu stehen.
  • Im Hinblick auf das interkulturelle Miteinander ist grundsätzlich eine freundliche Stimmung spürbar. Hemmschwellen und Berührungsängste sind jedoch deutlich wahrzunehmen, insbesondere zwischen der muslimischen und der nicht-muslimischen Bevölkerung. Formen von offenem und subtilem Alltagsrassismus stellen ein alarmierendes Problem dar. Immer wieder kommt es zu Diskriminierungen, Ausgrenzungen, Abweisungen, Beleidigungen und rassistischen, islamfeindlichen Äußerungen, v.a. auch unter Kindern und Jugendlichen. Vorurteile, Unkenntnis und Unsicherheit scheinen hier handlungsleitend zu sein und sich besonders auf die Haltungen der jungen Menschen in den Stadtteilen auszuwirken.
  • Parteifunktionäre und Anhänger aus der rechten Szene (u.a. NPD, AfD, DIE RECHTE, HoGeSa, „Tag der deutschen Patrioten“ und „Völkische Siedler“) sind in Lüneburg und Umgebung ansässig und aktiv, auch ihre Kinder. Im NPD-Bundestagswahlkampf 2013 war Lüneburg eine Station bei der sogenannten „Deutschlandfahrt“. Nach wie vor ist in Lüneburg der Onlinevertrieb der Firma Hatecore ansässig, der neofaschistische Fanzies, Bekleidung und Tonträger vermarktet. Treffen, Versammlungen und Kundgebungen der rechten Szene sowie Musikkonzerte mit rechtsradikalen Texten, die sowohl in direkter als auch in fernerer Umgebung stattfinden, werden von einzelnen Lüneburger_innen besucht, zum Teil sogar mitorganisiert und moderiert, darunter sind auch Kinder und junge Erwachsene.
  • In jüngster Zeit wurden Aufkleber mit fremdenfeindlichen Schriftzügen in einer Flüchtlingsunterkunft entdeckt.
  • Einzelne junge Menschen aus dem Feld der Jugendhilfe, konkret der Jugendgerichtshilfe, sind rechtsextremen Gruppierungen zugeneigt. Besonders besorgniserregend erscheinen die in den letzten Monaten enorm gestiegenen Aktivitäten der „Identitären Bewegung“, einer rechten Jugendorganisationen, der in Lüneburg junge Menschen im Alter von 17-25 Jahren mit unterschiedlichem Bildungsgrad angehören. Neben Veröffentlichungen in sozialen Netzwerken wurden im Oktober 2015 in Nacht- und Nebelaktionen Flugblätter, Plakate und Aufkleber mit gewieften, subtil-rechtsradikalen Inhalten in Briefkästen verteilt und in der Innenstadt an Schaufenstern und Stromkästen platziert.
  • Beunruhigend ist, dass die genannten rechten Gruppierungen die aktuelle Flüchtlings- und Asyldebatte nutzen, um fremdenfeindliche Hetzkampagnen anzufeuern und neue Mitglieder, v.a. auch Jugendliche, zu gewinnen.
  • Hin und wieder kommt es auch zu körperlicher Gewalt. So ist es noch nicht lange her, als bei einem Familienkonflikt kurdischer Mitbürger_innen eine gewalttätige Auseinandersetzung mit Schusswaffen eskalierte. Die Polizeipräsenz wurde für den anschließenden Prozess im Jahr 2015 erhöht. Die Gewaltbereitschaft von jungen Menschen aus Multiproblemfamilien sowie schulformübergreifende Konflikte zwischen Schüler_innen mit unterschiedlichem Bildungsgrad sind gehäuft aufgefallen.
  • Auch innerhalb der muslimischen Community existieren in Lüneburg Spannungen
  • In den Schulen zeigt sich immer wieder, dass die Gleichberechtigung und die Chancengleichheit von Mädchen und Jungen sowie der tolerante Umgang mit verschiedenen sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten noch keine Selbstverständlichkeit ist. Auch unterschiedliche kulturelle Rollenverständnisse der Frau führen im Schulalltag zu Konflikten.

Leitziele:
Durch die Verfolgung der folgenden Leitziele möchten wir Rechtsextremismus, Gewalt, Radikalisierungsprozessen, demokratiefeindlichem Gedankengut, Fremden- und Menschenfeindlichkeit aktiv und präventiv entgegenwirken:

  • Förderung eines modernen Demokratiebewusstseins
  • Förderung von kultureller und religiöser Vielfalt
  • Förderung von Toleranz
  • Förderung der Gleichberechtigung von Jungen und Mädchen
  • Förderung der Gleichberechtigung von Jugendlcihen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen
  • Förderung einer zeitgemäßen Partizipationskultur von Kindern und Jugendlichen
  • Förderung einer eigenständigen Jugendpolitik

Mittlerziele:

  • Gewährleistung eines professionellen, fundierten Projektmanagements
  • Vernetzung von relevanten Akteuren, Initiativen und Einrichtungen
  • Entwicklung einer Handlungsstrategie in Zusammenarbeit mit den Projektpartnern
  • Durchführung von Kinder- und Jugendprojekten, die im Einklang mit den Leitzielen stehen
  • Einbindung von Kindern und Jugendlichen unterschiedlicher Schulformen
  • verstärkte Einbindung von Jugendlichen mit sozialen Herausforderungen
  • verstärkte Einbindung von Jugendlichen mit Einwanderungsgeschichte (auch Flüchtlinge)
  • gleichberechtigte Einbindung von Jungen und Mädchen
  • gleichberechtigte Einbindung von Jugendlichen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen
  • Anregung interkultureller und interreligiöser Austauschprozesse
  • Abbau von Vorurteilen
  • Aufklärungsarbeit und Sensibilisierung bzgl. des Themas „gewaltorientierter Islamismus“
  • Radikalisierungs- und Gewaltprävention
  • Stärkung von ehrenamtlichem Engagement
  • stadtteilbezogene Arbeit
  • Durchführung von Fortbildungs- und Coachingangeboten
  • Aufbau eines Jugendforums, das langfristig von Jugendlichen selbst organisiert wird, ein eigenes Budget verwaltet und über politische Entscheidungsgewalt verfügt
  • Nachhaltigkeit gewährleisten, damit sich die Strukturen, die durch das Bundesprogramm geschaffen werden, langfristig im Alltag der Kinder- und Jugendarbeit bemerkbar machen
  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Zielgruppe
Unsere Kernzielgruppe umfasst Kinder und Jugendliche:

  • im Alter von 6 bis 18 Jahren
  • unterschiedlicher Schulformen
  • mit unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergründen
  • mit sozialen Herausforderungen
  • mit erhöhtem Gefährdungspotential für demokratiefeindliches Gedankengut
  • weiblichen und männlichen Geschlechts
  • mit verschiedenen sexuellen Orientierungen

Im Fokus steht der Gedanke, die Zielgruppen auf zwei Ebenen anzusprechen:

  • Projektarbeit innerhalb der einzelnen Gruppen
  • Projektarbeit mit heterogenen Gruppen zur Ermöglichung von positiven Begegnungen, interkulturellen Austauschprozessen und zum Abbau von Berührungsängsten

Darüber hinaus werden auch folgende Personengruppen erreicht:

  • Eltern, Geschwister und Freund_innen der angesprochenen Kinder und Jugendlichen
  • Studierende und Erwachsene, die in den einbezogenen Einrichtungen aktiv sind

 

 

BMFSFJ_DL_mitFoerderzusatz_RZ
zum Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
zum Bundesprogramm „Demokratie leben!“