„Das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht…“

Stellungnahme des Stadtjugendrings Lüneburg e.V. zum Thema „Haus der Jugend“

Nachdem in der letzten Sitzung des Jugendhilfeausschusses das Konzept der dezentralen Jugendräume vorgestellt wurde, erreichten uns als Stadtjugendring vermehrt Anfragen zu der Entstehung und unserer Position zu dem Konzept. Daher möchten wir in dieser Stellungnahme den Weg von der Idee zum Konzept und unsere Beteiligung nachzeichnen und unsere Wünsche und Ansprüche an ein Haus der Jugend formulieren.

Ein „Haus der Jugend“ in Schweden, Foto: Charlotte H.

Was bisher geschah…
Seit das Haus der Jugend in der Katzenstraße Anfang 2015 Geschichte ist, versucht der Stadtjugendring ein neues Domizil für Jugendliche in Lüneburg zu finden. So wurde 2018 mit einem Antrag im Jugendhilfeausschuss der Hansestadt auf das Problem aufmerksam gemacht und für den Verlust, der mit dem Verkauf des alten Hauses der Jugend einhergeht, sensibilisiert. Die Stadtverwaltung Lüneburg unterstützte im Jugendhilfeausschuss unsere Forderung und schlug ein bahnhofsnahes Gebäude vor. Dies sahen wir aus mehreren Gründen kritisch. Aus unserer Sicht muss Jugendleben zentral in der Stadt platziert werden.

Seitdem ist eine Menge Wasser die Ilmenau herab geflossen, aber untätig waren weder wir noch die Stadtverwaltung. Der Stadtjugendring stand im engen Austausch mit seinem Mitgliedsverband CVJM, der die Räumlichkeiten „Die Finke“ betreibt. Zusammen sondierten wir die Möglichkeiten, im gleichen Haus derzeit ungenutzte Räume für Jugendgruppen und die Jugendverbandsarbeit in der Stadt zu erschließen. Zeitgleich traten an die Stadtverwaltung zudem auch die Nachnutzer:innen des Salon Hansens – der studentische Verein Originalton – mit einer ähnlichen Idee für ihre Räumlichkeiten heran.

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Partizipation ist mehr als nur Ideen und Wünsche sammeln

Pressemitteilung des Stadtjugendrings Lüneburg e.V. Lüneburg, den 29.07.2020

Von Jugendlichen organisiertes Partizipationsformat „Dinner4Two“ zur Landrats-/Europawahl 2019
Foto: Georg Gunkel-Schwaderer / SJD-Die Falken

Der Oberbürgermeister ist kein Freund von Kinder- und Jugendparlamenten*… Na gut, wir auch nicht – so lange damit keine Entscheidungsmacht für Kinder- und Jugendliche verbunden ist. Denn gespielte Demokratie gibt’s genug – nicht nur in Lüneburg.

Und genau hier sehen wir als Stadtjugendring Lüneburg e.V. das grundsätzliche Problem bei der Kinder- und Jugendpartizipation in Lüneburg. Die derzeit diskutierten und bereits in der Umsetzung befindlichen Versuche, Kinder und Jugendliche einzubeziehen, gehen über informieren, Wünsche und Probleme abfragen nicht hinaus. Wirkliche Beteiligung braucht aber einen verstetigten und wirkmächtigeren Rahmen, als das unverbindliche „Wünsche und Kritikäußern“, bei dem dann letztlich die Verantwortung und Wirkmächtigkeit weiterhin bei den Handelnden aus „Politik“ und Verwaltung bleibt.

Vorstandsmitglied Georg Gunkel-Schwaderer kommentiert:„Warum nicht einen deutlich größeres Stück der Torte demokratischer Teilhabe an die Kinder und Jugendlichen der Stadt abgeben? Kinder und Jugendliche wollen nicht nur befragt werden, sie wollen teilhaben, mitwirken, wirklich mitbestimmen und nicht nur Zuschauer sein, bei den Entscheidungen zu ihren Belangen.“

Von Jugendlichen der Bewegung Fridays for Future organisierte Podiumsdiskussion im Landrats-/Europawahlkampf 2019
Foto: Georg Gunkel-Schwaderer / SJD-Die Falken

Daher: Lüneburg braucht wirkliche Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen, eigene Wirkmächtigkeit, ein eigenes Kinder- und Jugendbudget, damit ihre Entscheidungen auch finanziell unterlegt werden. Das so genannte „Grobkonzept zur Partizipation von Kindern und Jugendlichen in der Hansestadt Lüneburg“ ist nun fast 10 Jahre alt. Es sollte eigentlich bei der „Einbeziehung und Mitbestimmung“ (Stufe 5 & 6 des Stufenmodells) beginnen und bei Stufe 8 „Entscheidungsmacht“ das Ziel erreichen. Seit rund 10 Jahren steckt es aber genau auf den ersten Stufen fest.

Gunkel-Schwaderer ergänzt: „Das alles nur in den Stadtteilen und Stadtteilzentren zu verstecken und damit auch in seiner Wirkmacht zu teilen führt dazu, dass sich jugendliche Wirkmächtigkeit nicht bündeln und zu einer gemeinsamen Entscheidungsmacht zusammenfinden kann. Dies könnte aber durch ein verfasstes Jugendparlament, dem Entscheidungsbefugnis und ein eigenes Budget verliehen wird, passieren.“

Für den Stadtjugendring ist klar: Nach 10 Jahren gespielter Demokratie ist es höchste Zeit für echte Beteiligung!

  • Aussage nach dem Artikel „111 Wünsche für Rathauschef“, LZ vom 27.07.2020, S. 5

Jugendarbeit ist für Kinder und Jugendliche „systemrelevant“ – vor allem in Corona-Zeiten!

Pressemitteilung vom 02. Juni 2020

Die Corona-Krise verschärft die angespannte Lage der Jugendverbände in Lüneburg. Die Verordnung des Landes Niedersachsen zu Schutzmaßnahmen in Gruppenräumen blendet die tatsächlichen Umstände der Arbeit der Verbände aus und verhindert sie in vielen Fällen.

Seminarergebnis aus der Vor-Covid19-Zeit

Junge Menschen verbringen einen Großteil ihrer Zeit in Organisationen, die außerhalb der schulischen Bildung liegen – wie Sportvereine, Jugendverbände oder Jugendzentren, sie engagieren sich in Vereinen und haben Freundschaftsnetzwerke. Dieses ist von jetzt auf gleich zum größten Teil weggebrochen, oftmals kann eine Umorganisation in digitale Formate nicht stattfinden oder wird als nicht ausreichend wahrgenommen. Viele, wenn nicht die meisten Jugendverbände arbeiten unter sowohl räumlich, als auch personell prekären Bedingungen, die sich gerade in Covid19-Zeiten sehr deutlich zeigen. Und diese prekäre Situation ist in aller Regel in den Kommunen hausgemacht: Mangelnde substanzielle Förderung von Jugendverbänden, die nicht zutreffende Disqualifizierung als »streichbare Leistung«, dieser wichtigen außerschulischen Bildungsarbeit und das weitgehende Ausblenden der Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen werden gerade in dieser Krise sichtbar.

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